Le Chartier – Ein Erfahrungsbericht

geschrieben von am 29.07.2016 in Essen & Trinken mit 2 Kommentare

Über das Restaurant Chartier (auch Bouillon Chartier genannt) in Paris wird viel berichtet. Es wurde 1896 als eine Art Suppenküche für Arme in einer ehemaligen Bahnhofswartehalle eröffnet und hat sich seitdem äußerlich kaum verändert. Das Dekor der Jahrhundertwende mit dunklen Holzverzierungen und riesigen Wandspiegeln ist bis heute im Original erhalten, inklusive Hunderter kleiner Schubläden und Boxen an den Wänden, in denen Stammkunden zur damaligen Zeit ihr eigenes Besteck aufbewahrten konnten.

Französische Spezialitäten zu günstigen Preisen

Das Restaurant Chartier ist 365 Tage im Jahr von 11.30 Uhr bis 22 Uhr (mit Unterbrechung von 15 bis 18 Uhr) geöffnet und bietet traditionelle französische Küche zu günstigen Preisen. Alle Kellner sind einheitlich gekleidet mit schwarzer Weste und weißer Schürze. Bestellungen werden unter Staunen der Gäste direkt auf der Papiertischdecke notiert und die Rechnungen auf selbiger handschriftlich summiert.

Der Andrang jeden Abend ist riesengroß, meist reicht die Warteschlange sogar vom Innenhof des Restaurants bis auf die Bürgersteige der rue du Faubourg-Montmartre. Dennoch hält sich die Wartezeit in Grenzen, da die Küche die Speisen zügig serviert und jeder freie Platz sofort wieder besetzt wird. So kann es sein, dass ihr zu zweit kommt und mit mehreren unbekannten Tischnachbarn diniert.

Das Essen im Chartier in Paris

Ich habe das Restaurant Le Chartier letzte Woche selbst getestet, nachdem ich Besuch bekommen habe und dieser noch am Vorabend einen Bericht über das historische Restaurant Chartier im Fernsehen gesehen hatte. Von Erzählungen und zahlreichen Internet-Bewertungen wusste ich, dass ich mir nicht allzu viel von diesem Restaurantbesuch versprechen sollte. Meine geringen Erwartungen jedoch wurden mehr als übertroffen, nur leider nicht im positiven Sinne: der Empfang war ok, nicht weltbewegend, wir wurden sofort platziert und wählten eine Vor- und ein Hauptspeise – im Eiltempo. Mit gleicher Geschwindigkeit wurden die bereits fertigen Vorspeisen serviert – ein grüner Salat mit ungenießbar scharfer Senfsoße und einem kleinen, nein mini „Cocktail d’Avocat“.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, nun gut, bei diesen günstigen Preisen darf man eben nicht allzu viel erwarten. Der Hauptgang jedoch übertraf alles, was ich bisher in Paris gesehen und gegessen habe. Das Rumpsteak – was ich „medium“ bestellt hatte – war roh und der beiliegende Salat aufgrund der bereits erwähnten Soße ungenießbar. Nach einer weiteren kurzen Bratenzeit in der Pfanne kam das Rumpsteak fast schwarz zurück. Die „Andouillette grillée“ – eine wirklich sehr sehr französische Spezialität – hatte einen dermaßen ekligen Beigeschmack, dass sie so wie sie kam auch wieder in der Küche verschwand. Das dritte Gericht – ein „Confit de Canard“, bei dem man eigentlich nicht viel falsch machen kann, da es sich um ein eingemachtes Entenbeinchen handelt – war kalt und die fettigen Kartoffeln hatten schwarze faule Stellen.

Was man noch wissen sollte

Die Speisen werden sehr zügig serviert, da sie bereits fertig zubereitet sind. Sobald man gegessen hat, wird man freundlich aufgefordert das Restaurant zu verlassen, um Platz für die nächsten Gäste zu machen.

Fazit

Das Dekor aus der „Belle Epoque“ ist zugegebenermaßen schön anzusehen, aber das Essen – worum es im Restaurant ja eigentlich geht – lässt leider sehr zu wünschen übrig. Seit 2010 zählt das „repas gastronomique des Franςais“ – frei übersetzt als französische Küche – zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Die Raffinesse und Qualität der französischen Küche kann man an vielen Stellen in Paris genießen , aber meiner Ansicht nach definitiv nicht im Le Chartier.

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2 Leser-Kommentare

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  1. Daniel sagt:

    Das Chartier ist eine einmalige Institution mit sehr preisgünstigen kleinen und guten Menüs. Ich war dutzende Male dort, würde aber nie auf die Idee kommen, dort am Abend hinzugehen, schon gar nicht für eine gepflegtes ausgedehntes Essen. Dieser Ort ist perfekt für das schnelle gute Essen über Mittag, und weiter geht’s. Man stelle sich das Chartier vor als einer der besten und architektonisch spektakulärsten Kantinen Europas und sehr sehr pariserisch…

  2. Wolfgang D. sagt:

    Wer geht denn abends ins Bouillon Chartier? Hier essen wirkliche Pariser einträchtig neben Touristen zu Mittag. Das ist selten. Das Essen ist einfach, preiswert und gut. Wenn man beim einmaligen Besuch einmal Pech haben sollte ist dies kein Grund für einen negativen Kommentar. Der trifft eher auf das preisgekrönte Le Mesturet zu – ein wirkliches Touristenrestaurant – ein paar Straßen weiter.

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