19.01.2018

Ist Paris behindertengerecht? Infos zu Barrierefreiheit in Paris

Wenn man sich die vielen Treppenstufen im schier endlosen Labyrinth der Pariser Metro anschaut, ist die Frage, ob Paris behindertengerecht und behindertenfreundlich ist, eigentlich schnell geklärt. Auf den ersten Blick ist die Stadt mit ihrem umfangreichen touristischen Angebot kaum auf Besucher mit eingeschränkter Mobilität ausgelegt. Dennoch hat Paris in den letzten Jahren einige Anstrengungen unternommen und u.a. ein Label für behindertengerechte Hotels in Paris geschaffen, einige seiner weltbekannten Sehenswürdigkeiten behindertengerecht eingerichtet und reduzierte Preise für behinderte Touristen in Paris eingeführt. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Informationen für behinderte Menschen, die ihren Urlaub in Paris verbringen, zusammen.

Barrierefreiheit Paris: 12 Tipps für Personen mit Behinderung

1. Behindertengerechtes Paris: Behindertengerechte Unterkünfte in Paris

Label Tourisme Handicap Paris

Hotels gibt es in Paris en masse. Wenn man von typisch französischen Hotels in Paris spricht, meint man in der Regel kleine Hotels mit noch kleineren Zimmern, in denen man sich kaum um die eigene Achse drehen kann. Die Bewegungsfreiheit, die für Rollstuhlfahrer beispielsweise unabdingbar ist, hält sich in solchen Pariser Unterkünften stark in Grenzen.

Die Stadt Paris hat deshalb ein Label mit dem Namen Tourisme & Handicap à Paris geschaffen. Hotels, die mit diesem Label ausgezeichnet wurden, sind auf Bedürfnisse behinderter Menschen ausgelegt. Das Label wird in vier verschiedenen Kategorien (Geh-, Seh- und Hörbehinderungen und geistige Einschränkungen) an Pariser Unterkünfte vergeben. Bei der Buchung solltet ihr deshalb auf die Piktogramme achten. Denn oftmals sind die dort gelisteten Pariser Unterkünfte nicht für alle Arten von Behinderungen ausgelegt. Eine Übersicht zu behindertengerechten Hotels in Paris findet ihr auf der Seite des Pariser Tourismusbüros.

2. Behindertengerechtes Paris: Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln

Tipp 1: Linienbusse in Paris für Rollstuhlfahrer geeignet!

Einstiegshilfen Busse in ParisFast alle Busse in Paris sind mittlerweile mit Rampen für Rollstuhlfahrer ausgestattet. Im Bus selbst gibt es einen, maximal zwei Plätze für Rollstuhlfahrer. Zur Rush Hour sollte man die öffentlichen Verkehrsmittel in Paris generell meiden, da die Busse und Metros dann so voll sind, dass kein Platz mehr für Rollstuhlfahrer bleibt. Blinden Paris-Besuchern hilft die automatische Ankündigung der Haltestellen, ihre Zielstation zu finden.

Ich sehe öfters blinde Personen, die mit dem Linienbus in Paris fahren. Die anderen Passagiere sind meist sehr hilfsbereit und geben Auskunft zur Station, an der man sich gerade befindet. Wahlweise könnt ihr auch beim Busfahrer einsteigen und ihm mitteilen, wo ihr gerne aussteigen möchtet.

Tipp 2: Metro und RER in Paris meist NICHT barrierefrei!

Metro in ParisWie bereits angesprochen, gibt es in der Pariser Metro viele Treppenstufen zu bewältigen. Für Menschen im Rollstuhl ein Graus! Die Stadt Paris sagt selbst, dass die Pariser Metro aufgrund ihres Alters und ihrer Bauweise nie vollständig für behinderte Menschen zugänglich sein wird. Viele Metrostationen haben mittlerweile einen Aufzug, der allerdings nicht immer funktioniert.

Tipp 3: Die Pariser Metrolinie 14

Die beste Linie für Rollstuhlfahrer ist die Metrolinie 14. Sie wurde als letztes zum Pariser Metronetz hinzugefügt und ist auf die Bedürfnisse behinderter Menschen zugeschnitten. Die Stationen sind mit Aufzügen ausgestattet, besitzen breite Gänge und als Rollstuhlfahrer kann man ganz ohne Hilfe in die Züge hineinfahren, da es zwischen Zug und Bahnsteig keine Lücke gibt. Für Blinde gibt es automatische Ansagen und Gehörlose sehen die nächste Station als gelben Punkt auf der Anzeigetafel aufleuchten.

Im Moment sind nur die Bahnsteige der Pariser Metrolinien 1, 13 und 14 mit automatischen Türen ausgestattet, in den kommenden Jahren sollen die automatisch schließenden Türen an allen Pariser Stationen angebracht werden. Solange gilt, dass diese drei Linien für Personen mit Sehbehinderung am sichersten sind. In den Zügen der Metrolinien 1, 4 und 14 gibt es automatische Ansagen. Die Züge der Pariser Metrolinien 1, 2, 3, 9 Und 13 verfügen über Bildschirme, die die nächsten Stationen anzeigen.

Tipp 4: Barrierefreies Tram-Netz in Paris

Die Pariser Tramlinien sind für Personen mit Sehbehinderung, Personen im Rollstuhl und Schwerhörige zugänglich. Der Zugang zu den Zügen befindet sich auf der gleichen Höhe wie der Bahnsteig, es gibt Durchsagen und man kann auf Bildschirmen sehen, wo man gerade ist.

Wer wissen möchte, wie es an den anderen Pariser Metro- und RER-Stationen aussieht, kann sich auf dem Plan von infomobil.com zur Behindertenfreundlichkeit der einzelnen Pariser Metrostationen informieren.

3. Behindertengerechtes Paris: Keine vergünstigten Tickets für behinderte Paris Touristen

Ein starkes Stück ist es, wie ich finde, dass behinderte Paris-Touristen keine Vergünstigungen auf Metrotickets bekommen. Dies wird damit erklärt, dass die Kommunen und Regionen die Preisnachlässe für Behinderte der Pariser Region an die Verkehrsbetriebe zurückzahlen. Für ausländischen Touristen bezahlt leider niemand.

4. Behindertengerechtes Paris: Zugang zu Sehenswürdigkeiten in Paris

Behindertengerechter Zugang zu Pariser sehenswürdigkeitenEinige Pariser Museen und Sehenswürdigkeiten tragen das zuvor angesprochene Label „Tourisme & Handicap à Paris“. Welche Sehenswürdigkeiten in Paris behindertengerecht sind, erfahrt ihr zum Beispiel hier. Wie bei Pariser Hotels gilt, wurde ein Monument oder ein Museum in Paris mit diesem Label ausgezeichnet, dann nicht unbedingt in allen vier Kategorien. Ein gutes Beispiel ist der Arc de Triomphe, zu dem lediglich Gehörlose Zugang haben.

Rollstuhlfahrer im Speziellen können folgende Sehenswürdigkeiten in Paris ohne Probleme besichtigen: Rollstuhlgerechte Monumente in Paris. Sie können beispielsweise den Blick vom Eiffelturm auf die Stadt genießen, allerdings nur aus der zweiten Etage, da die oberste Aussichtsplattform für Rollstuhlfahrer aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Aber keine Sorge, von der zweiten Etage sieht man genauso viel von der Spitze des Eiffelturms! Wenn wir schon bei Aussichtspunkten in Paris sind, der Tour Montparnasse hat einen super schnellen Aufzug, der euch in Windeseile zum Aussichtsdeck bringt. Wie sieht es mit den anderen bekannten Pariser Sehenswürdigkeiten aus? Im Louvre zum Beispiel gibt es direkt an der Glaspyramide, dem Hauteingang zum Museum, einen Extraeingang und einen Lift, der euch zu den Ausstellungen bringt. Notre-Dame und Sacré-Coeur können ohne Probleme mit den Rollstuhl besucht werden, da Notre-Dame ebenerdig ist und Sacré-Coeur auf der Rückseite einen angemessenen Rollstuhlzugang hat. Um zu Sacré Coeur zu gelangen, kann man den Funiculaire, den kleinen Aufzug unterhalb der Basilika nutzen. Versailles kann auch prima mit den Rollstuhl besichtigt werden. Nicht geeignet für Rollstühle sind die Conciergerie, das Pantheon und der Triumphbogen. Auch einige andere Pariser Sehenswürdigkeiten sind leider so gar nicht barrierefrei, hierzu zählen die Katakomben und die Egout de Paris.

Rollstuhlfahrer haben auch Zugang zu diesen Pariser Sehenswürdigkeiten: Centre Pompidou, Château de Vincennes, Fondation Louis Vuitton, Musée d’Orsay, Musée Branly, Picasso Museum, Rodin Museum und Philharmonie. Gleiches gilt für Disneyland Paris, den Parc Astérix und den Pariser Zoo.

5. Behindertengerechtes Paris: Vergünstigte Eintritte für Personen mit Behinderung

Einige Pariser Sehenswürdigkeiten bieten Personen mit Behinderung kostenlosen Eintritt an. Hierzu zählen zum Beispiel der Louvre, das Centre Pompidou und Versailles. Alle drei Pariser Sehenswürdigkeiten sehen auch eine Begleitperson vor, die keinen Eintritt zahlen muss. Andere bekannte Pariser Monumente bieten behinderten Personen einen vergünstigten Tarif an. Hierzu zählt unter anderem der Eiffelturm. Die Informationen könnt ihr den jeweiligen Internetseiten der Sehenswürdigkeiten entnehmen.

6. Behindertengerechtes Paris: Restaurants für Rollstuhlfahrer mit viel Platz

Pariser Restaurants ähneln typischen Pariser Hotels. Sie bieten ihren Gästen kleine Tische auf kleinen Terrassen und ihre Kellner achten peinlichst genau auf die optimale Ausnutzung der freien Plätze. Für Rollstuhlfahrer definitiv nicht geeignet! Dass es aber auch Ausnahmen gibt, beweisen einige Pariser Restaurants, die auf behinderte Paris-Besucher vorbereitet sind.

7. Behindertengerechtes Paris: Öffentliche Toiletten für Rollstuhlfahrer

Seit 2009 gibt es neue öffentliche Toiletten in Paris, die auch von Paris-Besuchern, die im Rollstuhl sitzen, genutzt werden können. Wie die Toiletten funktionieren, erkläre ich in einem eigenen Artikel.

8. Behindertengerechtes Paris: Stadtrundfahrten für Personen mit Behinderung

Stadtrundfahrten in Paris sind eine tolle Sache. Jeder möchte gern eine Open Tour Fahrt oder eine Bootstour auf der Seine machen, um die schönsten Sehenswürdigkeiten von Paris zu sehen. Auch Personen mit Behinderung bzw. Paris-Touristen im Rollstuhl müssen nicht auf eine Stadtrundfahrt durch Paris verzichten. Die Anbieter von Doppeldeckerfahrten durch Paris haben häufig Busse, die einen Rollstuhlplatz zur Verfügung haben. Am besten ruft man vorher an, bucht die Fahrt mit Rollstuhl vor und steigt an der Startstation am Verkaufsbüro ein. Für den Anbieter Open Tour gilt diese Rufnummer, unter der ihr euch anmelden könnt: +33 (0) 1 42 66 56 56. Foxity, ein weiterer Anbieter von Stadtrundfahrten durch Paris, hat alle seine Sightseeingbusse mit einem Rollstuhlplatz ausgestattet.

9. Behindertengerechtes Paris: Bootstouren für Personen mit Behinderung

Bootstouren mit dem Rollstuhl in Paris sind möglich, der Anbieter Bateaux Parisiens zum Beispiel empfiehlt, vorher zu reservieren und am besten die erste Bootsfahrt am Morgen zu buchen, damit das Personal beim Zugang zum Boot helfen kann. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Toiletten im unteren Deck des Schiffes befinden und nur über eine Treppe erreicht werden können. An der Ablegestelle jedoch befinden sich Toiletten, die auch von Rollstuhlfahrer genutzt werden können. Weniger empfehlenswert ist das Wassertaxi, Batobus, da sich die Zugänge zum Boot direkt an der Seine befinden, die Wege dort meist aus großen Kopfsteinpflaster bestehen und in der Regel keine Rampen für den Zugang zum Boot vorhanden sind.

10. Behindertengerechtes Paris: Moulin Rouge Paris für Schwerhörige

Wer unter einer Hörschwäche leidet, kann einem bekannten Pariser Cabaret dennoch einen Besuch abstatten. Die Rede ist vom Moulin Rouge. Es bietet Schwerhörigen eine App an (Mobile Connect Sennheiser), die kostenlos für alle Arten von Smartphone heruntergeladen werden kann. Nach dem Download, steckt ihr eure Ohrenstöpsel an, verbindet euch mit dem W-Lan des Moulin Rouge und stellt die Lautstärke nach euren Bedürfnissen ein.

11. Behindertengerechtes Paris: Taxis für Rollstuhlfahrer in Paris

Das Taxiunternehmen G7 verfügt über mehr als 100 Taxis, die für Rollstuhlfahrer ausgelegt sind. Die Fahrer wurden geschult und können Personen im Rollstuhl oder Sehbehinderte angemessen empfangen. Der Service ist 365 Tage im Jahr verfügbar, 24 Stunden am Tag. Die Preise unterscheiden sich nicht von einer normalen Taxifahrt. Wer einen alternativen Transport zum Taxi in Paris sucht, wird unter anderem bei ABS Handitransport, Handy Express oder Mobilité Service Plus fündig.

12. Behindertengerechtes Paris: Shopping in Paris

Gerade die großen Pariser Kaufhäuser wie die Galeries Lafayette, das Printemps, Beaugrenelle, Forum les Halles und Les Quatre Temps sind auf Rollstuhlfahrer eingestellt. Am besten bevorzugt ihr die großen Kaufhäuser, da dort der Zugang und das Vorhandensein von Aufzügen garantiert ist.

Da ich schon des Öfteren gefragt wurde, wo man Bettheber und andere Hilfsmittel in Paris bekommen kann, möchte ich euch gern die Pharmacie Paris Charonne in der 136, rue de Charonne im 11. Pariser Arrondissement empfehlen (Telefon: 00 33 1 43 71 09 56).

64 Leser-Kommentare

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  1. Melanie sagt:

    Hallo, ich fahre mit meinem freund übers Wochenende nach Paris (er ist rollstuhlfahrer) und wir wollen direkt vom Flughafen nach Disneyland und am abend wieder in die Stadt. Wie kommen wir mit dem rolli am besten in die Stadt, hier ist unser Hotel:
    4 Rue Lamartine
    75009 – Paris 9e Arrondissement
    Wäre super wenn uns jemand helfen könnte.
    Liebe grüße Melanie

  2. Marie sagt:

    Liebe Denise,
    Wir fahren für ein paar Tage nach Paris und kommen am CDG Airport an. Wie kommt man da am günstigsten mit Rolli Richtung Zentrum/Louvre? Kann man mit der Metro fahren? Welche Buse fahren? Ist wirklich nicht leicht beim durchforsten der Bus-/Metropläne durchzusteigen.Taxis mit Rollstuhlrampe wollen 300 € für eine Fahrt.
    Vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Marie

    • Denise von helptourists sagt:

      Hallo Marie, es fahren vom FH CDG die Busse 350 und 351 nach Paris, beide haben Rampen und sind somit für Rohlstuhlfahrer geeignet. VG, Denise

  3. Fred sagt:

    Hilfe we komme ich am besten mit Rollstuhl vom Flughafen CDG zu disney. Wie kann ich das buchen und Hilfe organisieren.habe schon so viel probiert sncf auch. Wär super froh.

    • Denise von helptourists sagt:

      Hallo Fred, am einfachsten wäre es wohl mit einem Taxi. Aber auch der TGV, der vom FH ins Disneyland fährt, müsste wie alle anderen Schnellzüge auch rollstuhlgerecht ausgestattet sein. VG, Denise

  4. Irene sagt:

    Wir 6 Frauen (eine RollifahrerIn) fahren Ende July mit dem TGV- nach Paris. Ankunft Gare de Lyon. Wir suchen in der näheren Umgebung ein Rollstuhlgerechtes Lokal zum Abendessen.
    Hast du einen Tipp?

    • Denise von helptourists sagt:

      Hallo Irene, um den Gare de Lyon herum gibt es viele Restaurants und zumindest auf der Terasse kommt man mit dem Rollstuhl fast immer hin. Das einzige Problem ist, dass es selten Toiletten in Restaurants gibt, die für Rollstuhlfahrer zugänglich sind. VG, Denise

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