13. Arrondissement in Paris

geschrieben von am 27.11.2019 in Auch Interessant mit aktuell keine Kommentare

13. Arrondissement in Paris. Wer an Paris denkt, denkt auch automatisch an Eiffelturm, Louvre, Notre-Dame und bekannte Viertel wie das Marais oder Montmartre.

Im Zentrum von Paris befinden sich die bekanntesten und weniger bekannten Sehenswürdigkeiten von Paris. Die findet man schließlich auch in so ziemlich jedem guten Reiseführer. Warum genau widme ich dann dem 13. Arrondissement gleich einen ganzen Artikel? Weil das 13. Pariser Arrondissement häufig verkannt wird, zu Unrecht!

Paris 13. Arrondissement Hausfassade

13. Arrondissement in Paris: Das Mauerblümchen der Pariser Stadtviertel

Das 13. Arrondissement ist definitiv das Mauerblümchen unter den insgesamt 20 Arrondissements der französischen Hauptstadt. Das angrenzende 14. Arrondissement ist zwar ähnlich ruhig, aber dort befinden sich immerhin die Katakomben und der Bus zum Orly Flughafen.

Aber wenn man das 13. Arrondissement erwähnt, herrscht bei den meisten Besuchern gähnende Leere in den Köpfen. Doch das will ich mit diesem Artikel ändern! Denn hinter dem Mauerblümchen versteckt sich der ein oder andere Geheimtipp. Wer also die bekannten Sehenswürdigkeiten von Paris mittlerweile in und auswendig kennt und Lust auf etwas Neues hat, der sollte sich diesen Artikel bis zum Ende durchlesen!

Kleiner Geschichtsexkurs

Zugegeben, vom 13. Pariser Arrondissement aus gesehen, steht der Eiffelturm am ganz anderen Ende. Aber das ist nicht schlimm.

Das 13. Arrondissement befindet sich unterhalb der Seine – man spricht von der Rive Gauche, der südlichen Seineseite. Es war inoffiziell wegen der Zahl 13 schon immer das schwarze Schaf unter den Pariser Bezirken. Im Laufe der Geschichte war Paris von insgesamt 7 verschiedenen Stadtmauern umgeben. Lange Zeit bestand Paris innerhalb der Stadtmauern aus nur 12 Arrondissements – das 13. lag außerhalb und galt (ähnlich wie Belleville) als eines der ärmsten Arbeiterviertel in der Pariser Umgebung.

Paris 13. Arrondissement Platz

Als die umliegenden Viertel zu den 12 bestehenden Arrondissements hinzugefügt wurden, sollte erst das heutige 16. Arrondissement die Nummer 13 erhalten. Der Vorschlag kam allerdings überhaupt nicht gut an. Der Spruch „Sie haben im 13. Arrondissement geheiratet“ war damals ein Synonym einer wilden Ehe ohne Konvention und veranschaulichte den damaligen schlechten Ruf des Arbeiterviertels. Zu dieser Zeit befanden sich dort kleine Arbeiterhäuschen und Industriegebäude. Der Fluss la Bièvre und seine Seitenarme, die das Viertel durchzogen, waren mit Industrieabfall verschmutzt und die Armen und Kranken drängten sich auf den Straßen. Heute ist das Viertel kaum wieder zu erkennen und glaubt mir, der ein oder andere Pariser würde ein Vermögen ausgeben, um in diesem ruhigen und idyllischen Viertel zu wohnen!

13. Arrondissement in Paris: Seine Besonderheiten

Wie jedes Pariser Viertel ist auch das 13. Arrondissement geprägt von seiner Geschichte und die Spuren der Vergangenheit sind für das aufmerksame Auge noch immer sichtbar. Nachdem Baron Hausmann der französischen Hauptstadt eine komplette Umgestaltung samt prunkvoller Boulevards und Häuserfassaden verpasst hat, verliefen die meisten Pariser Straßen und Avenues jetzt schnurgerade und parallel zueinander. Nicht so im 13. Arrondissement! Hier folgen die heutigen Straßen dem Verlauf des damaligen Flusses la Bièvre, der mittlerweile nicht mehr existiert. Diese schmalen Gassen schlängeln sich zwischen den kleinen Häusern hindurch und bilden dort, wo sich früher Wassersammelbecken des Flusses befanden, kleine runde Plätze.

Paris 13. Arrondissement Häuser

Zwischen neuen Gebäuden findet man auch hier und dort noch kleine Arbeiterhäuschen. Man erkennt sie an dem Schriftzug, der den jeweiligen Industriezweig der Bewohner anpries – Schuhmacher oder Schmied beispielsweise. Das Viertel ist eher eine Wohngegend mit süßen Bars und Restaurants in kleinen verwinkelten Gassen. Das 13. Arrondissement ist zudem hügelig und sorgt für einen Spaziergang mit einer kleinen sportlichen Note.

Wer das 13. Arrondissement besichtigen möchte, fährt am besten mit der Metro bis zur Station Place d’Italie (Linie 5, 6 und 7). Die Station befindet sich im Herzen des Viertels und ist der perfekte Ausgangspunkt für seine Besichtigung.

Paris Petit Alsace Eingang

13. Arrondissement in Paris: Butte aux Cailles

Noch nie gehört? Die Butte aux Cailles ist eine Gegend auf einem kleinen Hügel nahe dem Place d’Italie. Die Butte aux Cailles solltet ihr erstens im Hinterkopf behalten, wenn ihr gerne ausgeht und das Pariser Nachtleben erkunden wollt und zweitens, wenn ihr Street Art Fans seid.

Paris 13. Arrondissement Butte aux Cailles Street Art

In der Rue de la Butte aux Cailles und den Seitenstraßen wie der Rue de l’Espérance reihen sich Bars und Restaurants aneinander und rund um den Place de la Commune findet ihr haufenweise Street Art. Die Butte aux Cailles eignet sich bestens für einen Spaziergang mit anschließendem Restaurant-Besuch oder einem ausgelassenen Abend in einer Bar unter Freunden. Gegen Feierabend stehen die Pariser hier bei Wind und Wetter auf den Gehwegen vor den Bars und unterhalten sich ausgelassen. Man könnte meinen in einem kleinen Dorf gelandet zu sein. Jeder kennt jeden und auch die Barbesitzer gesellen sich in einer ruhigen Minute zu ihren Stammkunden, um Neuigkeiten auszutauschen.

Rund um den Place de la Commune und in den Seitenstraßen sind die Wände mit Street Art verziert. Für die Bewohner der Butte aux Cailles gehört die Street Art mittlerweile mit dazu und bietet immer wieder Gesprächsstoff. Es gibt sogar geführte Stadtrundgänge zum Thema Street Art durch das 13. Arrondissement.

Metro: Station Place d’Italie (Linie 5, 6 und 7), Corvisart (Linie 6) und Tolbiac (Linie 7).

13. Arrondissement in Paris: Shoppen gehen

Shoppen gehen kann man überall in Paris. Ich persönlich finde den Ansturm auf die bekanntesten Shoppingmöglichkeiten teilweise sehr anstrengend. Das Forum des Halles bei Châtelet, die Rue de Rivoli, das Luxuskaufhaus Galeries Lafayette und natürlich die berühmten Champs-Elysées sind meistens heillos überfüllt. Wenn ihr euch nach diesem Artikel entscheidet, einen Abstecher ins 13. Arrondissement zu machen, solltet ihr euch eure Shopping-Lust für diesen Ausflug aufheben.

Direkt bei der Metro Station Place d’Italy befindet sich das Einkaufszentrum Italy 2. Das Einkaufszentrum hat auch sonntags geöffnet (täglich von 10 bis 20 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr) und hier findet ihr alle wichtigen Geschäfte für den perfekten Shopping-Tag. Im Grunde genommen gibt es dort alles, was das Herz begehrt auf drei Etagen verteilt, nur H&M werdet ihr leider vergeblich suchen. Ich bin mir aber sicher, dass ihr bei insgesamt 130 Geschäften und Restaurants trotzdem fündig werdet!

13. Arrondissement in Paris: Der Markt Marché August-Blanqui

Wenn ihr dienstags, freitags oder sonntags das 13. Arrondissement besucht und beim Place d’Italy aussteigt, seid ihr gleich mittendrin im Marktgetummel. Drei Mal pro Woche findet direkt am Ausgang der Metrostation ein Markt statt, der sich bis zur nächsten Metro namens Corvisart zieht. Entlang des Boulevard Blanqui kann man Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Käsewaren und Bioprodukte kaufen. Hier und da findet man auch Klamotten oder Dekoration, größtenteils dreht sich hier aber alles um Lebensmittel. Die Pariser holen sich frische Zutaten für das Abendessen und nutzen den Marktbesuch gleichzeitig für einen kleinen Plausch mit dem Nachbarn oder dem ein oder anderen gut gelaunten Markthändler.

Da der Markt eher klein ist und in einem ruhigen Viertel liegt, hat man hier nicht das Gefühl von den Massen erdrückt zu werden. Wenn ihr eh zur Butte aux Cailles wollt, müsst ihr so oder so an dem Markt vorbei. Auf der Höhe der Metrostation Corvisart (Linie 6) biegt ihr dann nach links ab und nehmt die lange Treppe nach oben zu einem kleinen süßen Park, dem Jardin Brassaï (sehr gut geeignet für ein kleines Picknick). Wenn ihr der Straße weiter folgt, befindet ihr euch mitten in der Butte aux Cailles.

Paris Butte aux Cailles Park

13. Arrondissement in Paris: Meine Restaurant Empfehlungen

Solltet ihr von dem Anblick des Marktes Hunger bekommen haben, habe ich ein paar kulinarische Tipps für euch. In der Butte aux Cailles gibt es unzählige gute Restaurants und auch in jeder Brasserie kann man eine Kleinigkeit essen. Für den großen Hunger hab ich hier aber noch ein paar weiter persönliche Lieblinge für euch.

Französische Küche

An der Ecke des kleinen Parks Jardin Brassaï befindet sich das Restaurant Chez Gladines (30, Rue des cinq diamants). Es ist ein sehr uriges kleines Restaurant mit rot-weiß karierten Tischdeckchen. Hier könnt ihr sowohl französische Spezialitäten (Schnecken, Foie Gras), baskische Gerichte und eine große Auswahl an Köstlichkeiten rund um die Kartoffel probieren. Sehr zu empfehlen!

Für diejenigen unter euch, die völlig hin und weg sind von der französischen Küche, hab ich hier noch einen besonderen Tipp. Das „Le temps des cerises“ (18-20, Rue de la butte aux cailles) gibt es seit 1976 und ist eng verstrickt mit der Geschichte der Pariser Kommune, die sich viel im 13. Arrondissement aufhielt.

Thailändische Küche

Wenn ihr die Rue des 5 diamants weiter geht Richtung Place de la Commune, befinden sich auf der linken Straßenseite zwei sehr gute thailändische Restaurants. Die „Butte aux Thaï“ (43, Rue des cinq diamants) und das „Thai Papaya“ (51, Rue des 5 diamants). Die Besitzer sind allesamt sehr herzlich, der Service geht schnell und das Essen ist sehr lecker und nicht so überteuert wie in den touristischen Gegenden von Paris.

Italienische Küche

Mein absolutes Lieblingsrestaurant ist jedoch das „Les cailloux“ (58, Rue des cinq diamants), ein italienisches Restaurant direkt neben dem Place de la Commune. Das Essen dort ist sehr gut, die Bedienungen sind waschechte Italiener und die Inneneinrichtung des Restaurants ist sehr gemütlich und einladend. Pizza gibt es dort allerdings nicht, dafür sehr gute Pasta und Wein. Kleiner Tipp: Die Panna Cotta ist ein Traum!

Persönlicher Geheimtipp

Die nächste Empfehlung fällt zwar nicht unter die Kategorie Restaurant, aber ich will sie euch nicht vorenthalten. Der kleine süße Teesalon „L’Oisive Thé“ (1, Rue Jean Marie Jego) mit seinen bunten Stühlen auf dem Bürgersteig ist nicht einfach nur ein Teesalon. Dort gibt es eine Riesenauswahl an verschiedenen Teesorten mit hausgemachten Kuchen und Cookies.

Paris l'Oisive The

Keine Sorge, für diejenigen unter euch, die keinen Tee mögen gibt es auch Kaffee oder heiße Schokolade. Die Besonderheit jedoch: Die Wände sind voller Regale mit bunter Wolle, denn in den Salon kann man zum Stricken und Häkeln kommen und sich gleich Wolle-Nachschub holen. Wenn Stricken so gar nicht euer Ding ist, macht das auch nichts, der Tee ist trotzdem lecker und die Regale voll Wolle geben dem ganzen ein gemütliches Wohnzimmerambiente – Strickliesl hin oder her.

13. Arrondissement: Chinatown

Man kennt es aus vielen Städten: Chinatown, Little Italy und andere Viertel, in denen sich Menschen einer gemeinsamen Herkunft ihre ganz persönliche kleine Heimat aufgebaut haben. In Paris gibt es diese Viertel jedoch offiziell nicht und das hat einen bestimmten Grund. Die Stadt Paris hat beschlossen, solche Viertel zu verbieten, aus dem einfachen Grund, Abgrenzung zu verhindern und Multikulturalismus zu fördern. Daher werdet ihr auch in den wenigsten Reiseführern etwas über Chinatown in Paris lesen. Dennoch gibt es Chinatown auch in Paris – etwas versteckt und unauffällig, solange man nicht weiß, wo man suchen muss.

Paris Chinatown Supermarkt

Entstehung & Geschichte

Wie bereits erwähnt, galt das 13. Arrondissement früher als eines der ärmsten Viertel. Als das Viertel an Paris angegliedert wurde, wollte man die Wirtschaft ankurbeln und beschloss, das 13. Arrondissement zum Zentrum der Autoindustrie auszubauen. Dafür wurden für die Arbeiter hohe Wohngebäude gebaut. Leider stellte sich heraus, dass die Pariser diese Hochhäuser jedoch äußerst unattraktiv fanden und sich schlichtweg weigerten, dort zu wohnen. Also standen die Gebäudekomplexe in der Gegend Les Olympiades südlich von Place d’Italy einfach leer.

Paris Chinatown Hochhaus

In den 60er Jahren zu Zeiten des Vietnamkriegs kamen viele Flüchtlinge aus Vietnam, Kambodscha und Laos nach Paris. Sie störte es überhaupt nicht, in Hochhäusern zu wohnen und da sie eh leer standen und kein anderer dort wohnen wollte, siedelte sich hier eine große asiatische Gemeinde an. Die Regierung war einfach froh darüber, das Geld in die Gebäudekomplexe nicht umsonst investiert zu haben, sodass sie diese Ballung akzeptierte, obwohl ein Chinatown ja eigentlich gegen die lokale Politik sprach.

Rund um eben diese Hochhäuser reihen sich seitdem asiatische Restaurants und Supermärkte aneinander. Überall kann man das traditionelle Gericht Phò (eine leckere Suppe) essen. Im Jardin de la Dalle des Olympiades findet ihr etwas versteckt den Eingang in eine unterirdische Einkaufspassage, in der man sich sofort fühlt wie im Vietnam-Urlaub.

Paris Chinatown Eingang

Nagelstudios, Klamottenläden, Restaurants, Musikläden, Friseure und Optiker… alles asiatisch. Es ist einfach unglaublich! Am Ende der Einkaufspassage befindet sich sogar ein  buddhistischer Tempel. Wer wirklich echtes asiatisches Essen liebt, sollte unbedingt hier eines der Restaurants ausprobieren! Das Herz von Chinatown befindet sich in den beiden nebeneinander gelegenen Straßen Avenue d’Ivry und Avenue de Choisy.

Paris Chinatown Passage

Weitere Sehenswürdigkeiten

Wie ihr seht, hat das 13. Arrondissement so einiges zu bieten. Dieser Artikel sollte eine kleine Inspiration sein, falls ihr dieses Viertel einmal besichtigen möchtet. Ich würde euch allerdings empfehlen, nicht blind alle Punkte von der Liste abzuhaken, sondern einfach gemütlich durch die Straßen zu spazieren und die ganz besondere Atmosphäre dieses Viertels zu genießen. Im 13. Arrondissement steht auch die bekannte Nationalbibliothek Frankreichs, die Bibliothèque nationale de France.

Bei der Metrostation Gare d’Austerlitz befindet sich das bekannte Künstlerkollektiv „Les Frigos„. (Rue des Frigos). Les Frigos steht für ein ehemaliges Kühllager, in dem jetzt Künstler ihre Kunstwerke ausstellen.

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